Mein Grossvater
Emil Frey

Mein Grossvater Emil Frey wurde am 15. November 1899 als drittes von 8 Geschwistern in Bern geboren. Seine Eltern waren Johann Gottfried und Anna Frey-Burkholter. Emils drei Schwestern Rosa, Margaritha und Bertha waren Drillinge und der ganze Stolz der Familie.

Am 18. August 1923 heiratete Emil im Alter von 24 die Solothurnerin Olga Luise Kofmel (1903-1978) in der Johanneskirche in Bern. Emil und Olga hatten zusamen zwei Kinder: Paul wurde am 22. Januar 1924 geboren und mein Vater Roland am 16. September 1931.

Emil und Olga wohnten mit ihren beiden Kindern in den Jahren 1933 bis 1968 an der Seftigenstrasse im Berner Weissenbühl. 1968 zügelten die Beiden an die Morillionstrasse 36, wo Emil auch nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1978 noch bis 1983 wohnte. Im Alter von 84 Jahren musste er aus Altersgründen die Wohnung aufgeben und zügelte ins Altersheim Sehlhofen in Kehrsatz. 1992 verlangte sein Gesundheitszustand einen Umzug ins Pflegeheim Altenberg, wo er am 23. September 1994 im hohen Alter von 95 nach geduldig ertragenen Altersbeschwerden starb.

Emil Frey arbeitete zwischen 1923 und 1963 bei den SVB, den Städtischen Verkehrsbetrieben Bern. Als Bahndienst-Hilfsarbeiter angestellt, war Emil Frey später als Bahnarbeiter, Werkstätte-Arbeiter und ab 1929 als Depotarbeiter beschäftigt.

 

 

Erinnerungen

Ich habe meinen Grossvater eigentlich nur als alten Mann in Erinnerung. Als er Ende 1963 pensioniert wurde, war ich gerade 2 Jahre alt. In bester Erinnerung sind mir die Samstage, die ich mit meinen Eltern und meiner Schwester bei Grosi und Grossvater Frey an der Morillionstrasse verbrachten. Meine Grossmutter versorgte uns mit kalten Fleischplatten und Ankezüpfe. Und wir guckten an diesen Samstagabenden jeweils auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzend gemeinsam die ZDF-Hitparade, denn mein Grossvater hatte vor meinen Eltern einen Kabelanschluss...

Ich errinnere mich auch noch sehr genau daran, dass bei meinem Grossvater immer die linke Tageszeitung "Tagwacht" rumlag, die ich dann auch mit grossem Interesse durchblätterte und den einen oder anderen Artikel darin las.

An die Wohnung meiner Grosseltern an der Morillionstrasse erinnere ich mich noch ziemlich genau: Das Wohnzimmer mit dem Esstisch in der Mitte des Raumes und dem schönen alten Buffet und den unzähligen Anker-Bildli an den Wänden, an das Schlafzimmer mit dem riesigen Bett mit unzähligen Decken und Kissen und einem grünen Überwurf und an die Küche mit dem Gasboiler für warmes Wasser und dem breiten Ofen...

Wenn mein Grossvater mir Geschichten erzählte, drehten sie sich immer um seine Arbeit beim "Tram". Ich kann mich nicht erinnern, dass er von den beiden erlebten Weltkriegen erzählte oder vom technischen Fortschritt, der während seines Lebens stattfand. Als er 1899 auf die Welt kam, gab es noch keine Autos und keine Flugzeuge.